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Annette von Droste-Hülshoff

Annette von Droste-Hülshoff

Geboren wurde Annette von Droste-Hülshoff am 12. Januar 1797 auf dem Wasserschloss Hülshoff zwischen den Orten Havixbeck und Roxel bei Münster. Wohlbehütet erzogen in der Abgeschlossenheit der westfälischen Adelswelt, begann sie früh zu schreiben, zunächst noch ganz im Sinne biedermeierlicher Familienkultur. Nur selten hatte Droste Gelegenheit, den engen Grenzen des Eltern­hauses zu entfliehen. Einige Male besuchte sie Bökendorf im Paderborner Land, wo die Familie ihrer Mutter ihren Wohnsitz hatte. 1820 war der Bökerhof Schauplatz ihrer Bezie­hung zu dem Göttinger Jurastudenten Heinrich Straube. Das durch eine Intrige herbeigeführte Scheitern der Verbin­dung wurde für die 23-Jährige zu einem mit vielerlei Demü­tigung verbundenen traumatischen Erlebnis.

In dieser Zeit hatte sie begonnen, einen Zyklus von geist­lichen Liedern auf die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres zu verfassen. Vor dem Hintergrund der existentiellen Er­schütterungen gerieten ihre Texte zum persönlichen Be­kenntnis, das die Spuren eines vielfach gepreßten und ge­theilten Gemüthes trug. Erst zwanzig Jahre später konnte sie das Geistliche Jahr vollenden.

Nach dem Tod des Vaters 1826 zog Annette von Droste mit Mutter und Schwester auf den Wohnsitz Haus Rüschhaus nahe Münster, eine Mischung aus Bauernhaus und Herrensitz, erbaut von dem berühmten westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun. Für einige Zeit verlegte sie sich auf ihr zweites Talent, die Musik. In den dreißiger Jahren erweiterte sie allmählich ihren Gesichtskreis, insbesondere durch Reisen nach Köln und Bonn sowie in die Schweiz. In literarischer Hinsicht beschäftigte sie sich mit der Abfassung von Versepen, die einerseits formal wie inhaltlich dem Zeitgeschmack verpflichtet waren, andererseits ein eigenes, originelles Erzählen dokumentieren, das die üblichen Genregrenzen überschreitet. Mit dem Erscheinen der Gedichtausgabe von 1838, die weitgehend unbeachtet blieb, schließt sich die erste größere Schaffensphase.

Auch ihre Novelle Die Judenbuche (1842) brachte Dro­ste in der literarischen Öffentlichkeit zunächst wenig Gehör. Mit der Geschichte des Friedrich Mergel, der viele Jahre nach dem Mord an einem Juden am Ort der Tat in einer Buche erhängt aufgefunden wird, war ihr ein „Sit­tengemälde” gelungen, das mit fast naturalistischer Detailschärfe einen Ausschnitt westfälischer Lebenswelt spiegelt. Doch Die Judenbuche ist mehr als eine Milieustudie; sie ist gleichzeitig Kriminalgeschichte und Psychogramm, eine Erzählung, die durch Ambivalenz und Mehrdeutigkeit letztlich die Wahr­nehmung von Wirklichkeit grundsätzlich in Frage stellt.

Eine Phase höchster poetischer Inspiration erlebte die Autorin im Winter 1841/42, den sie zu Besuch bei ihrer Schwester Jenny von Laßberg auf der Meersburg am Bodensee ver­brachte. Angespornt durch ihren „Seelenfreund” Levin Schücking, gelang es ihr, fast täglich ein neues Gedicht zu verfassen. Es entstand damals der Grundstock ihrer zweiten Gedichtsammlung, die 1844 erschien und viele ihrer be­kannten Texte enthält, so Das Spiegelbild, Am Thurme oder die heimatbezogenen Haidebilder mit ihrer Einsicht in die Doppelbödigkeit der Natur.

Schücking blieb auch später Anreger neuer literarischer Tex­te, doch gelang es Droste aufgrund beständiger Krank­heiten immer seltener, ihren Pegasus zu satteln. Ihre litera­rische Stimme begann zu versiegen. Ein letztes Mal reiste sie im Herbst 1846 an den Bodensee. Hier starb sie am 24. Mai 1848.

Der heutige Ruhm Annette von Droste-Hülshoffs gründet sich insbesondere auf Die Judenbuche sowie ihre Natur­lyrik – Texte, mit denen sie weit über ihre Zeit hinausweist. Ihr dichterisches Selbstverständnis hat die Autorin einmal so formuliert: Ich mag und will jetzt nicht berühmt werden, aber nach hundert Jahren möcht ich gelesen werden. Dies hat sie zweifellos erreicht.